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::: Grußworte

Bernd Koroknay, Kurator, Galerist
Dr. Paul Wengert, Oberbürgermeister
Thomas Höft, Intendant Kulturstadt Augsburg



Hallo liebe Kunstfreunde,
zum dritten mal heißt es
"3 TAGE FREIE RÄUME"


Schier unglaubliches ist gelungen.
In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Räumen der vergangenen beiden Jahre konnten wir nun die ehemalige Brauerei "Zur Goldenen Gans" als Ausstellungsort gewinnen. Damit werden wir dem Grundkonzept gerecht, freie Räume und neue Räume mit Kunst zu bespielen. Und es haben sich Künstler gefunden, die die Herausforderungen der Räume anspruchsvoll in ihrer Sprache, der der Kunst, mit diesem Kontext belegen.

Kunst und Kultur wird gleichsam verbunden.
Mit der ehemaligen Brauerei "Zur Goldenen Gans", Augsburgs älteste Brauerei, wurde ein neuer Ausstellungsort gefunden, der den Kunstschaffenden ein reizvolles und aussagefähiges Terrain anbietet. Bierbrauen ist eine Arbeit, prozesshaft und Traditionell und wertgeschätzt in aller Munde. So wollen auch Künstler Ihre Arbeiten verstanden wissen.
Deshalb freut es mich besonders, als Ausstellungsleiter und Kurator des Kunstprojektes "3 TAGE FREIE RÄUME 2004" eine Auswahl an Künstlern präsentieren zu können, die sich ganz besonders auf die Räume und deren kulturgeschichtlichen Inhalte eingelassen haben. Inhalte, die durch die wiederkehrenden, traditionellen Arbeitsprozesse zum einen eine Sicherheit im Arbeitsleben und somit für die Existens darstellten. Gleichzeitig doch auch eine Monotonie besitzen. Zum Beispiel das Arbeiten an einem Fließband der Flaschenabfüllung, oder das regelmäßige befüllen von Tanks, Pump und Spühlvorgänge. Arbeiten die monoton anscheinen erfordern dennoch ein hohes Maß an Konzentration und Achtsamkeit.

Viele der diesjährigen Künstler haben sich mit den Räumen, der Geschichte und den Prozessen auseinandergesetzt woraus z.T Arbeiten entstanden die darauf Bezug in direkter Weise nehmen. Andere bringen Arbeiten ein, spannend, als Raumkontext. Alle Formen des künstlerischen Ausdrucks sind vertreten und haben einen freien Raum gefunden, der jetzt zum Raum für Kunst wird. Nicht mehr Reifenlager, Wasseraufbereitung oder Verteilerraum ist. Er hat sich gewandelt durch den Kontext der Kunst. Für den Besucher erschließt sich Raum für Raum in, auf das Notwendigste reduzierter Art und Weise, als Ort der Andacht und Besinnung.
Hier wirkt das Kunstwerk in seiner ursprünglichsten Form. Als Ausdrucksform, formulierend In der Sprache seines Schöpfers, geschaffen als Zeugnis der Gegenwart in der Auseinandersetztung mit einem bestimmten Prozess. Welches Thema dieser Prozess hat liest sich manchmal im Titel ab.
Diese kunstschaffenden Prozesse, aus denen die Werke entstehen sind nicht immer erklärbar und müssen es auch nicht sein. Deshalb stellt sich auch nicht die Frage ob man ein Kunstwerk verstehen und erklären können muss. Dem Besucher ist es erlaubt Kunst sinnhaft wahrzunehmen. Danke den Künstlern für diese enorme Leistung in diesem Ort.

So möchte ich mich ganz besonders in diesem Jahr bei Matthias Mair bedanken, der sich mit allen Problemen der Gebäudeentwicklung mit ganzem Herzen, Sachverstand und noch dazu seinem Handwerklichem Geschick eingebracht hat ohne das wäre die Ausstellung unmöglich!
Gleichermaßen danke ich den Sponsoren, die uns als Kunstszene unterstützen und auf das Projekt vertrauen. Sie haben Ihre Unterstützung ausgebaut, in einem Maß das alle Beteiligten Motivation und Selbstbewusstsein vermittelt. Es ist eine Anerkennung für das Geleistete und hilft erfolgreich zu werben und das Projekt zu gestalten.

Und wenn wir auch nicht durch die Bayerische Bewerbungskommission als Kulturhauptstadt Europas 2010 für Bayern stehen sollen, so stehen wir dennoch in Europa als Kulturstadt mit besonderen Attributen, die in den nun folgenden Jahren weiter zu entwickeln sind.
Künstler und deren Kunst wird diesen Prozess, das Kultivieren stets aufmerksam begleiten und mit zeitgenössischen Arbeiten Zeugnisse davon ablegen.

Bernd Koroknay
Kurator / Galerist
Wir verstehen uns als Partner im Bündnis für Augsburg


Liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde,
liebe Augsburgerinnen und Augsburger.


Bekanntlich sind aller guten Dinge drei - und das gilt für das Ausstellungsprojekt "3 TAGE FREIE RÄUME 2004" nicht nur für den Titel. Denn bereits zum dritten Mal gelingt es in diesem Jahr, erfolgreich "Freiraume" für die moderne Kunst im öffentlichen Raum zu schaffen.

Dies ist umso wichtiger, da sie sehr oft als unverständlich und unzugänglich gilt. Aber Kunst darf nicht nur ausgeschilderte Wege gehen, sie muss sich auf Neues einlassen und uns Bekanntes neu sehen lehren. Zwar ist auch die Erfahrung des Künstlers subjektiv, er lebt jedoch In der kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Wahrnehmung. Daher schärfen KünstIer - gerade auch diejenigen, die mit modernen Techniken arbeiten - unseren Blick für das Geflecht von "kleinen Dingen", Situationen und Stimmungen, die wir üblicherwelse übersehen. Sie erweitern und verändern die Wahrnehmung und fordern dadurch den Betrachter zu neuen Denkmustern und Verhaltensweisen heraus.

Gerade als Politiker könnte man den KünstIer bisweilen beneiden. Auch er will ja die Realität gestalten. Die Gestaltungsfreiheit der Politik ist jedoch viel beschränkter als die der Kunst. Auch zur Erhaltung und Gestaltung der Lebensverhältnisse gehören ein kreativer Blick und die richtigen Vermittlungstechniken. Das dazu erforderliche Verständnis der Öffentlichkeit wecken weder Gesetze und Verordnungen noch ständige Appelle an die Vernunft allein. Die Bewusstseinsbildung kann die Unterstützung durch die Kunst sehr gut gebrauchen.

Mit Recht gilt daher auch die Kunst als eine öffentliche Angelegenheit. Erfolg hat in der Politik wie in der Kunst nur, wer die Menschen wirklich erreicht - mit Aussagen, die sie verstehen, und mit der neuen, der überzeugenderen Idee. Dazu leisten die Gemeinschaftsinstallation "Balance" und das Projekt "Biermalerei auf Filterpapier" Ihren interessanten Beitrag.

Ich danke den Künstlern, Veranstaltern sowie Sponsoren und wünsche der Ausstellung ein zahlreiches und interessiertes Publikum.


Dr. Paul Wengert, Oberbürgermeister


Liebe Künstlerinnen und Künstler,
sehr geehrte Besucher,


Vor knapp vierzig Jahren traf sich in Dresden eine Gruppe von jungen Künstlern, die sich sowohl von der akademischen Malschule des Sozialistischen Realismus in der DDR als auch von der Flucht in die Privatheit einer individuellen Opposition lossagten. Initiator war Ralf Winkler, der unter dem Pseudonym A.R. Penck arbeitete. Als „Lücke TPT" forschten die Künstler nach einer gesellschaftlich relevanten Kunst. Sie verbanden Film, Fotografie, Malerei, Skulptur und Theater zu immer neuen Aktionsformen. Sie suchten ungewöhnliche Orte auf - immer unter Observation der Staatssicherheit - und formulierten dort ihr „Standard"-System. Eine Sprache aus Zeichen, mit der sie auf den Ursprung einer menschlichen, gleichberechtigten Kommunikation zurückkommen wollten.

Als Wolfgang Opitz, einer der Protagonisten von „Lücke TPT", in den späten achtziger Jahren aus der DDR emigrierte, wandte er das „Standard"-Verfahren sowohl im Umkreis der Kunstszene der Anti-Atomkraftbewegung im Wendland sowie später an der neuen Nahtstelle des einigen Deutschland nach dem Mauerfall an. Künstler besetzten das Niemandsland um Mauer und Todesstreifen. Ich erinnere mich an Performances und Installationen mit gesprengten Tretminen, gehäckseltem Stasi-Aktenmaterial und mit der Kettensäge bearbeiteten russischen Munitionskisten. Die Künstlerinnen und Künstler drangen in Militärturnhallen, Volksarmee-Wochenendheime, Kirchenruinen und Schulen ein. Wichtigster Teil der Arbeit war das Handeln mit Fundstücken. Gemeinsam wurde gegraben und geschürft. Die Wunden des Niemandslandes wurden ausgestellt und zum Teil mit Kunst geheilt. Obwohl es 15 Jahre her ist, will mir ein Bild aus einer verfallenen Kapelle bis heute nicht aus dem Kopf. Dort waren die alten Nummern der Kirchenliedertafeln zu einem seriellen System neu zusammengesteckt und der halb verrottete Inhalt eines alten Erst-Hilfe-Kastens auf dem Altar ausgebreitet. Trauer und Ermutigung - diese Kunstaktionen bedeuteten eben beides.

Wenn sich, wie auch nun wieder im imponierenden Projekt "3 TAGE FREIE RÄUME 2004", Künstler aufmachen, ein verlassenes Gebäude zu erobern, ist die ganze Geschichte so wichtiger Raumkunstaktionen wieder präsent. „Lücke TPT“ in Dresden arbeitete parallel – in bestimmten Handlungen sogar etwas früher – in der Medienmischung, die Andy Warhol in den USA berühmt machte. Der Unterschied lag natürlich im gesellschaftlichen Anspruch. Und der scheint mir heute auch in Augsburg wichtiger denn je. Arbeit in fremden, verlassenen Orten ist Arbeit an der Geschichte. Ist Arbeit auf unsicherem Terrain. Ist Arbeit in ungewöhnlichen künstlerischen Konstellationen.
Und ist meiner Meinung nach deshalb das Beste, was der bildenden Kunst passieren kann. Hier stößt künstlerischer Individualismus mehrfach auf das Andere: das Andere in Gestalt einer durch Geschichte und Funktion bestimmten Raumwirklichkeit und in Gestalt der mitarbeitenden Künstler.
Das heißt Konfrontation. Und die tut der Kunst beileibe gut.


Thomas Höft, Intendant Kulturstadt Augsburg